Fragen & Antworten

Oft gestellte Fragen und ihre Beantwortung:

 

 

Wir haben eine klassische Webseite. Weshalb sollten wir noch zusätzlich im Social Web aktiv werden?

Mit statischen Webseiten, die keinen Dialog mit den Stakeholdern vorsehen, kann man keine effektiven Austauschbeziehungen aufbauen. Die Nutzer Ihrer Organisation, Angehörige, Freiwillige, Mitglieder, Spender und viele mehr – sie alle möchten Fragen stellen, Anregungen liefern und sich mit Gleichgesinnten vernetzen. Je transparenter und dialogorientierter eine Organisation ist, desto besser wird sie sich im Wettbewerb um Unterstützer und Ressourcen bewähren.

 

Das Mitmach-Internet – ist das mehr als eine Mode?

77% der Bürger in unserem Land nutzen das Internet, speziell junge Menschen sind fast täglich online. Annähernd 43% der über 60-Jährigen sind im Internet aktiv. Über 50% der Internetnutzer sind in Online-Communities vertreten.

Viele nutzen das Netz nur passiv, d.h. als Konsument von Informationen und Videos. Und viele beschränken sich auf die private Kommunikation in Communities. Öffentliche Weblogs oder Wikis werden nur von einer Minderheit geführt. Andererseits sind die Möglichkeiten zum Mitmachen vorhanden, – ob diese Option vom Einzelnen ergriffen wird, hängt auch von der Attraktivität der Online-Angebote ab. Je einfacher das Mitmachen ist, je einladender und inklusiver das Beteiligungsangebot gestaltet wird und je besser es an die unmittelbare (räumliche) Lebenswelt der Nutzer andockt, desto größer sind die Chancen, dass Nutzer Mitmach-Angebote auch aufgreifen.

Das Social Web erfordert vom Einzelnen zahlreiche Kompetenzen und Selbstvertrauen. Es gehört durchaus zu den Aufgaben gemeinnütziger Organisationen, ihre Klientel – und hier insbesondere die Menschen „am Rand“ – für das Mitmach-Web fit zu machen (Stichwort: „Digitale Inklusion“). Mehr Datenmaterial zur Internetnutzung bietet die ARD/ZDF-Onlinestudie 2013.

 

Wir sind eine NPO mit kleinem Budget. Können wir uns das Engagement in den sozialen Medien leisten?

Viele der Web 2.0-Tools sind kostengünstig oder kostenlos. Der Preis, den aber jeder bezahlt, das sind die Daten, die man in das Internet einspeist. Um diesen Preis niedrig zu halten, sollten Web-Angebote mit einem akzeptablen Datenschutz ausgewählt werden. In jedem Fall ist immer abzuwägen, wie viel man als Person oder Organisation im Netz von sich preis gibt. Das Internet ist ein öffentlicher Raum, – kein privates Wohnzimmer. Diese Öffentlichkeit birgt viele Vorteile, die man zur Interessenvertretung und zur Vernetzung nutzen kann, aber auch Nachteile, sobald es um Privates geht.

Unabhängig von den Daten, mit denen man als Nutzer bezahlt, braucht eine NPO für die Präsenz in sozialen Medien Personal- und Zeitressourcen, weil das Engagement im Social Web sehr zeitintensiv ist. Investieren muss eine NPO auch in ihr Management und ihre Organisationskultur, denn ohne die Bereitschaft der Organisation, sich nach außen zu öffnen und Beteiligungsmöglichkeiten zu schaffen, wird ihre Präsenz in den sozialen Medien nicht erfolgreich sein.

 

Wir wissen zu wenig über soziale Medien. Uns fehlt ein Budget für die Fortbildung. Wie können wir dennoch lernen?

Gemeinnützige Organisationen, insbesondere kleine Vereine und Einrichtungen, sollten sich auf örtlicher Ebenen zu Netzwerken zusammenschließen, um sich gemeinsam den Weg in das Social Web zu erarbeiten. Vieles geht einfacher und schneller, wenn man Wissen und Erfahrungen untereinander teilt.In Großbritannien haben sich in Kommunen selbstorganisierte „Social Media Surgeries“ gebildet, die einen offenen Wissens- und Erfahrungsaustausch zum Thema anbieten. Eine ähnliche Initiative gibt es auch in Deutschland: die Social Media Sprechstunde. Entsprechende Initiativen sollten sich weiter ausbreiten und auch lokal gefördert werden.Wir brauchen die digitale Inklusion des gemeinnützigen Sektors – ansonsten bleibt die zivilgesellschaftliche Entwicklung hinter der von Markt und Staat zurück.

 

Welche Gefahren bergen soziale Medien?

Das Internet ist ein öffentlicher Raum – wer hier Inhalte postet, hinterlässt in jedem Fall Spuren, die über Jahre hinaus sichtbar bleiben. Dem Schutz und der Sicherheit persönlicher Daten muss daher große Beachtung geschenkt werden. Gleichzeitig haben gemeinnützige Organisationen aber den Auftrag, gesellschaftliche Diskurse anzustoßen und zu führen, Interessen zu bündeln und zu vertreten, Beteiligungsmöglichkeiten zu schaffen und Leistungen anzubieten. In einer digitalen Gesellschaft bedeutet dies, dass auch gemeinnützige Organisationen ihre Arbeit um eine digitale Dimension erweitern müssen. Das Social Web aufgrund der Gefahr des Datenmissbrauchs zu meiden, ist für Organisationen keine realistische Alternative.

Besser ist es, sich netzpolitisch zu engagieren und auf die Ausgestaltung des Internets einen aktiven Einfluss auszuüben.  Dazu gehört auch, sich gegen staatliche, geheimdienstliche und kommerzielle Überwachung strikt zu wehren. Gerade gemeinnützige Organisationen sollten sich nicht nur als Konsument von Netzangeboten betrachten („wir sind jetzt auch auf Facebook“), sondern auf Internetstrukturen drängen und an Internetstrukturen mitarbeiten, die Privatheit schützen, Beteiligung ermöglichen und eine Weiterentwicklung der Zivilgesellschaft zulassen.

Es gibt mächtige Kräfte in Staat und Wirtschaft, die das Internet als „big data“-Goldgrube nutzen und dies noch weiter ausbauen wollen hin zum gläsernen Konsumenten und rund-um-die Uhr überwachten Bürger. Die Zivilgesellschaft sollte sich die Chancen des Internets nicht zerstören lassen. Es geht darum, für diesen neuen öffentlichen Raum eine bürgerfreundliche Ordnung mit dem Recht auf Privatheit auszuhandeln. Der gemeinnützige Sektor sollte in diesen Aushandlungsprozessen eine wichtige Rolle spielen.

 

Wie sollen wir vorgehen, wenn wir ins Social Web einsteigen wollen?

Das Wichtigste ist, sich erst über die eigenen Ziele und die Erwartungen der Stakeholder klar zu werden, wenn es um einen Einstieg ins Soziale Netz geht. Erst sehr viel später werden die Tools ausgewählt. Soziale Medien stehen für Netzwerke und Beteiligung. Eine Organisation sollte hinsichtlich ihrer Strukturen und ihrer alltäglichen Praxis bereit sein für Dialog und Beteiligung, um die Potentiale des Mitmach-Internets auch ausschöpfen zu können und beteiligungsbereite Nutzer nicht abblocken zu müssen.Die Social Media- Strategie sollte beteiligungsorientiert sein und für jede Aufgabe bzw. Programmphase (Agenda-Setting, Planung und Gestaltung, Implementation und Evaluation) die digitalen und nicht-digitalen Beteiligungsmöglichkeiten eruieren und untereinander abstimmen.